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Camping Unterwegs mit Caravan Camping und Campingplatz am See und in den Bergen Camping Stellplatz für Wohnwagen am See

Mit Kind und Kegel in den Alpen unterwegs

Kann man mit einem Einjährigen entspannt campen? Diese Frage wollten wir zu Pfingsten beantworten und machten uns auf eine Reise in die Alpen. Fünf Tage lang sammelten wir Erfahrungen und wurden von Aha-Erlebnissen begleitet.

Ein tolles Miet-Wohnmobil und das Bett des Grauens

Da wir aktuell kein Campingfahrzeug unser Eigen nennen können, begann die Urlaubsplanung mit der Suche nach dem passenden Vehikel für unsere kleine Reise. Da wir Wohnmobile gewohnt sind, kamen wir schnell zum Entschluss, ein entsprechendes zu mieten. Wir entschieden uns für eine kleine Version, einen Kastenwagen von Adria auf Citroen, den wir bei Gebetsroither in Timelkam-Vöcklabruck mieteten.

„Ein Doppelbett und ein Zusatzbett sollten reichen.“, diese Annahme würde ich später bitter bereuen. Bei der Abholung wurde das neue Fahrzeug bestens erklärt. Die freundliche Besitzerin des Unternehmens ging das Gefährt Punkt für Punkt mit mir durch. Schließlich wurde auch das Zusatzbett erwähnt und ein Versuch unternommen, es zum Vorschein zu bringen – erfolglos. In einer ruhigen Minute, so war ich mir sicher, könnte ich die Konstruktion schon zu einem Bett verwandeln, sonst würde es ja so nicht in der Gebrauchsanweisung stehen. Einen Tag später würde ich dem Konstrukteur des Innenraums noch schlimme Dinge wünschen, aber dazu später.

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Zwei Personen, zwei Koffer – Zwei Personen mit Kind, 5 Koffer

Für den Urlaub packen kann ja richtig Spaß machen, sofern man nur für sich die Koffer füllen muss. Mit einem kleinen lebhaften Kind wird nicht nur der Packvorgang zur Herausforderung, auch die Menge ändert sich schlagartig. So kam es, dass sich das Wohnmobil bis oben hin mit Windeln, Nahrung für den Kleinen, Kinderwagen, Spielzeug und viel Gewand füllte. Die Beladung des - eigentlich großzügigen - Stauraums unter dem Doppelbett im Heck des Fahrzeugs erinnerte stark an Tetris und zwischenzeitlich auch mal an Donkey Kong. Glücklicherweise war unser Adria Twin 600 SPT mit vielen Verstaumöglichkeiten ausgestattet und so kamen die Schuhe extra, das Essen extra, die Windeln extra, das Spielzeug extra, …

Auf in den lang ersehnten ersten Campingurlaub mit der Familie

Kindersitz auf die Rückbank geschnallt und los ging es bei angenehm milden Temperaturen in Richtung Bayern. Wer zu Pfingsten unterwegs ist, sollte viel Zeit im Stau einplanen oder wie wir, einen Tag früher losfahren. Mit einem Kleinkind an Bord, könnte das sonst zu ohrenbetäubenden Unannehmlichkeiten führen, so unser Gedanke. Erfreut die „Engstellen“ im Straßennetz gut passiert zu haben, ging es auf überwiegend gut ausgebauten Landstraßen in den Allgäu. Hier wurden wir jedoch schließlich vom Staumonster eingeholt und hatten Glück, dass an jeder Ecke Kühe zu sehen waren, die unser Kleiner laufend mit einem „Muhhh“ grüßte. Sonst wäre es wohl etwas unentspannt geworden. Unser Ziel, Camping Brunnen in Schwangau, kam immer näher und mit jedem gefahrenen Kilometer wurde die Landschaft schöner. Hügel und Wälder wurden von Seen und einer traumhaften Bergkulisse ergänzt, bis schließlich königliche Schlösser das Landschaftsbild zu einem realen Gemälde machten. Mit großer Freude kamen wir schließlich auf die Halbinsel Brunnen, die ich später „die Halbinsel der Seligen“ nennen würde.

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Brunnen – die Halbinsel der Seligen

Der Campingplatz Brunnen in Schwangau – ein Camping.Info Award Gewinner – hat mit seiner Lage den absoluten Jackpot gezogen. Abseits von vielbefahrenen Straßen, direkt am sauberen Forggensee gelegen, rundum bayerische Landidylle und mit Blick auf das Königsschloss Neuschwanstein. Die Zufahrt über eine längere schmale Straße führt an blühende Wiesen, einer Ache und einer Handvoll Häuser bzw. Pensionen vorbei. Direkt am Eingang befindet sich das Restaurant, das - wie sich später herausstellte - sehr gute Speisen auftischt. Der Empfang war freundlich, der vorab gebuchte Stellplatz schnell gefunden. Für viele der Stellplätze gilt die Beschreibung „am See gelegen“, denn selbst aus der dritten Reihe ist der See fast rundum sichtbar. Wir, und vor allem unser Sohn, fühlten sich von Anfang an wohl am Platz. Enten die über die noch freien Stellplätze watschelten waren ebenso ein Magnet für das Kind wie der riesige und bestens ausgestattete Spielplatz. Vor allem der große Sandkasten erfüllte den Unterhaltungsanspruch des Kleinen. Toll war auch der kleine Shop am Platz, der zwar nur das Nötigste führte, dafür aber mit einem Frühstücksservice glänzte. Die Sanitäranlagen waren – wie man es sich bei einem Top-Platz erwartet – äußerst sauber und gepflegt. Interessant war zu erfahren, dass der Forggensee eigentlich ein Stausee ist, der erst gegen Mitte Juni seinen Höchstpegelstand erreicht. Das hielt uns aber nicht vom Baden ab, eher dann noch die Wassertemperatur. Besonders nett wirken die kleinen Inseln vor der Halbinsel, die ein tolles Schwimmziel darstellen.

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Die erste Nacht im Wohnmobil war genau das Gegenteil des Campingplatzes: schrecklich. Der missglückte Versuch das Zusatzbett aufzubauen resultierte in einer grauenvollen Nacht. Nach wenigen Stunden musste das Doppelbett zum Dreierbett umfunktioniert werden. Wer weiß, welche Entfernungen Kinder beim Schlafen zurücklegen können, kann sich die Ruhe in den kommenden Nächten gut vorstellen. Am nächsten Tag wurde dennoch das Programm fortgesetzt und eine kleine Wanderung unternommen. Der Uferweg, der am Campingplatz entlang führt und bis Füssen und weiter reicht, kann absolut empfohlen werden. Die Wanderung entlang des Sees und Weidewiesen mit Kühen löste in uns eine große innere Zufriedenheit aus. Besonders ein Nickerchen am Ufer hatte eine regenerierende Wirkung. Dort kam es mir in den Sinn: Es ist die Halbinsel der Seligen, wo man Ruhe und Entspannung, scheinbar aus dem Nichts, finden kann.

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Auf ins Ländle – Auf in die Heimat

Nach zwei wunderbaren Tagen am Camping Brunnen, inklusive beeindruckendem Farbenspiel am See vor einem Gewitter (siehe Bild oben), war die Zeit gekommen, “Pfiat di” und “Auf Wiedersehen” zu sagen. Weiter ging es wieder durch die bezaubernde Landschaft des Allgäus über fast fahrzeugleere Autobahnen nach Vorarlberg, der Heimat meiner Frau. Zuvor musste aber noch ein Abstecher nach Lindau eingelegt werden, ein Pflichtbesuch wenn man in der Gegend ist. Das tolle an Lindau: Für Reisemobilisten gibt es einen großzügigen Reisemobilstellplatz, den P1 Blauwiese, von dem am Wochenende im 15-Minuten-Takt ein kostenloser Shuttlebus auf die Insel führt. Lindau selbst ist eine kleine aber feine Augenweide, die auch bildlich Einzug in unseren Campingführer „Rund um die Alpen“ gefunden hat. Die berühmte Hafeneinfahrt und das Getümmel entlang des Bodensees waren ein schönes Erlebnis. Auch unser kleiner Camper war von den einfahrenden Schiffen und dem lebhaften Treiben begeistert. Wer Lindau noch nicht kennt, sollte diese Lücke alsbald schließen. Nach dem Mittagessen ein einem – für einen Touristenhotspot günstigen – Restaurant, wurde die Fahrt zum Camping Sonnenberg in Nüziders fortgesetzt. Auch hier erwartete uns ein Camping.Info Award Gewinner und nicht nur das, laut den Bewertungen auf Camping.Info auch der freundlichste Platz in Europa. Wir waren gespannt und so viel sei vorweggenommen, wir wurden absolut nicht enttäuscht.

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Ein echter Campingplatz mit Bergpanorama

Die Ankunft am Panorama Camping Sonnenberg war herzlich. Vor der Rezeption gab es gerade ein geselliges Zusammensitzen einiger Camper. Frau Dünser empfing uns und checkte uns in einem freundlichen Vorarlberger Dialekt ein. Der Platz war sehr gut besucht, somit war die Auswahl der Stellplätze beschränkt. Die Wahl fiel auf jenen Platz, direkt neben dem Wirtschaftsgebäude. Mit Kind an Bord sicher keine schlechte Wahl. Beim Einparken wurde die Rückfahrkamera zu Hilfe genommen – das ging glimpflich aus. Tatsächlich leitete mich die gut gemeinte Hilfestellung viel zu nahe an die Stufe hinunter zum nächsten Stellplatz. Mein Tipp: Wer es gewohnt ist Wohnmobile einzuparken, sollte auf eine Kamera verzichten, da intuitive Entscheidungen dadurch negativ beeinflusst werden können.

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Der erste Rundgang am Platz zeigte, dass es sich hier um einen waschechten Campingplatz handelt. Keine Wellness-Oase, keine Badelandschaften, keine Dauerbeschallung, also genau das Richtige für uns. Das Haus mit den Sanitäranlagen, der Rezeption, Waschbereich und Leseraum mit vielen lokalen Informationen ist einem super Zustand. Das 1999 erbaute Haus wirkt wie neu. Auch die Sanitäreinrichtungen selbst sind bestens gepflegt und waren immer sauber. Eine Solaranlage, der man an der Rezeption über einen Bildschirm beim Arbeiten zusehen kann, sorgt für das warme Wasser und einen nachhaltigen Betrieb. Die Wandermöglichkeiten vom Platz weg und der Blick in die Berge von den terrassenförmig angelegen Stellplätzen sorgen für das perfekte Alpen-Feeling am Platz. Dass der Betreiber am Sonntag dann noch selbst zusammen mit Kollegen zum Alphorn greift und einige Stücke auf dem seltenen Instrument spielt, war für alle Gäste - und besonders für unseren Sohn - ein authentisches Highlight. Ein weiterer Höhepunkt für unseren Kleinen war der gut ausgestattete Spielplatz. In der „Unterhaltungsecke“ am Platz sind neben dem Spielplatz ein Aufenthaltsraum für Jugendliche, eine Tischtennisplatte, ein Spielraum, Sitzgelegenheiten und eine kleine Kletterwand zu finden. Genug also, um einen Schlechtwetter-Blues zu vermeiden!

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Nach nur zwei Nächten verließen wir Camping Sonnenberg und den wundervollen Wallgau wieder und beendeten das Abenteuer Camping mit Kind mit einem positiven Gefühl.

Viel gelernt in kurzer Zeit

Unser Fazit: Camping mit Kind ist großartig, dennoch würden wir einige Dinge beim nächsten Mal anders machen. Ausschlaggebend für die tollsten Erfahrungen war nicht die Tatsache dass wir mit einem Campingfahrzeug unterwegs waren, sondern dass wir an einem Campingplatz waren. Daher ist unsere Überlegung, das nächste Mal (schon mit zwei Kindern), eine Mietunterkunft auf einem Campingplatz zu buchen. Zumindest wird ein kleines Reisemobil nicht mehr in Frage kommen. Dann schon viel eher ein Wohnwagen samt Vorzelt. Mehr Fläche und auch Spielraum bei Schlechtwetter und höhere Mobilität, das wünschen wir uns bei künftigen Campingurlauben. Auch werden wir künftig länger an einem Platz bleiben, um den Reisestress so gering wie möglich zu halten – immerhin ist es Urlaub. Die Auswahl der Campingplätze in unserem Fall war ein Glücksgriff. Familiäre, überschaubare und ruhige Campingplätze machen den Familienurlaub erholsam und damit Eltern sowie Kind(er) glücklich.

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